Almabtrieb

Der Bergsommer im Alpenland geht zu Ende

Almabtrieb im Alpbachtal - Geschmückte Kühe werden von einem Mann und einem Jungen in Tracht ins Tal gebracht
Nach hundert Tagen auf den Bergweiden kehren die Kühe beim Almabtrieb wieder in ihren heimischen Stall zurück. Mit lautem Glockengebimmel, prächtig geschmückten Tieren und einem Fest: Ein Spektakel, das Sie sich ansehen sollten!

 

Kreuze, Sinnsprüche und Wappen kunstvoll verziert mit Latschenkiefern, Silberdisteln, Blumen und bunten Bändern schmücken die Stirn der Kühe am Tag des Almabtriebs. Das Vieh, das den Sommer über die saftigen Bergweiden und frischen Kräuter genossen hat, kehrt nun von der Alm zurück ins Tal in die heimischen Ställe.

Der Almabtrieb ist im ganzen Alpenland ein fester Bestandteil des Brauchtums. Je nach Region wird er allerdings ganz unterschiedlich genannt. Im Allgäu sprechen die Menschen von der Viehscheid, in der Schweiz sagt man Alpabzug oder Alpabfahrt, in anderen Gegenden wird wiederum vom Alpabtrieb oder von der Hoamfahrt gesprochen.

Zurück aus der Sommerfrische

Nach etwa hundert Tagen auf der Hochweide kehren die Kühe zwischen Anfang September und Anfang Oktober zurück in ihren Winterstall. Die Termine für den Almabtrieb orientieren sich meistens an der Wetterlage und daran, wann das Gras auf der Alm aufhört zu wachsen. In manchen Orten findet der Abtrieb immer traditionell am gleichen Tag statt.

Almabtrieb Achensee – Geschmückte Kühe vor dem Achensee mit Bergpanorama

Beim Almabtrieb am Achensee am 15. September 2017 ziehen die Kühe von der Gramai-Alm im Naturpark Karwendel ins Tal nach Pertisau. Musik, leckeres Essen und gute Unterhaltung begleiten diesen Festtag.
Almabtrieb in Mayrhofen im Zillertal – Geschmückte Kühe

Auch in Mayrhofen im Zillertal werden am 7. Oktober 2017 die prächtig geschmückten Kühe zwischen 12 und 15 Uhr im Ortszentrum zurück erwartet. Bereits ab 9:30 Uhr beginnt ein großes Rahmenprogramm mit Musik.

Ist der Sommer auf der Alm gut verlaufen und haben sowohl Hirte als auch Herde die Zeit unbeschadet ohne Krankheit und Unglück überstanden, ist das ein Grund, dankbar zu sein. Dann werden die Kühe von den Bauern herausgeputzt und festlich für den Abstieg ins Dorf geschmückt.

Bis zu 15 kg wiegen der farbenfrohe Kopfschmuck und die riesigen Kuhglocken und Schellen, die schon von Weitem zu hören sind und böse Dämonen vom Abstiegsweg vertreiben sollen. Zum Aufbinden der Verzierungen braucht es viele geübte Hände.

Ein bunter Umzug ins Tal

Vielerorts wird eine Leitkuh bestimmt, die allen voran die Herde ins Tal herabführt und besonders prächtig ausstaffiert wird. In Österreich, in den meisten Gegenden in Bayern und in der Schweiz werden alle Tiere der Herde geschmückt, während im Allgäu nur die Leitkuh aufs Beste ausgestattet wird.

Hirten und ihre Helfer, die das Vieh bis ins Tal begleiten, tragen an diesem Festtag oft die traditionelle Tracht der jeweiligen Region mit Lederhose, Hemd und Hut, an den häufig Gebirgsblumen gesteckt sind.

Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim: Prächtig geschmückte Kuh

Ist der Sommer unfallfrei für Tier und Mensch verlaufen, werden die Kühe festlich geschmückt.

Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim: Kühe auf Bergwiese

Die Hirten ziehen am Tag des Almabtriebs zusammen mit den Kühen hinab ins Tal.

Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim: Geschmückte Kühe auf der Straße

Mit ihrem lauten Glockengebimmel sind die Kühe schon von Weitem zu hören.

 

Aber nicht nur die Kühe kehren nach dem Bergsommer ins Tal zurück, sondern auch Schafe und Ziegen, die den Sommer auf der Alm verbracht haben, werden bei Almabtrieben zurück in ihre heimischen Ställe gebracht.

Einer der größten Schafabtriebe im Alpenland ist der Tarrenzer Schafschied in Tirol, der heuer am 10. September stattfindet. Rund 1.000 Schafe und Lämmer werden dann in der Gemeinde zurückerwartet und überschwemmen die Straßen des Ortes geradezu wie eine weiße Welle.

Gelebtes Brauchtum

Der Tag des Almabtriebs wird in den meisten Orten groß gefeiert und gleicht oft einem Volksfest. Das gesamte Dorf und auch viele Gäste feiern dann gemeinsam bei zünftiger Musik, geselligem Tanz, typischen regionalen Speisen und einer gemütlichen Maß Bier die Rückehr der Tiere von den Bergweiden. Je nach Region gilt der Almabtrieb sogar als Feiertag, an dem die Kinder schulfrei bekommen, wie zum Beispiel in Bad Hindelang im Allgäu.

Sind die Kühe im Dorf angekommen, ziehen sie mit lautem Glockengeläut und klappernden Hufen zum Viehscheidplatz, an dem die Herde getrennt wird und die Tiere wieder ihren Besitzern übergeben werden. Ein riesiges Spektakel! Dann ist für die Kühe die Sommerfrische erstmal vorbei – bis zum Almauftrieb im nächsten Sommer!


Der Almabtrieb über den Königssee ist ein ganz besonderes Erlebnis. Zu sehen jedes Jahr Anfang Oktober.

Ausgewählte Almabtrieb-, Viehscheid- und Alpabzug-Termine 2017

 

Oberösterreich

16. September 2017: Moosalm, 13:00 Uhr
23. September 2017: Plankensteinalm, 14:30 Uhr
30. September 2017: St. Wolfgang im Salzkammergut, 12:30 Uhr

Salzburger Land

02. September 2017: Großglockner-Zellersee, 11:00 Uhr
09. September 2017: Thumersbach, 11:00 Uhr
09. September 2017: St. Martin bei Lofer, 12:00 Uhr
16. September 2017: Maishofen, 12:00 Uhr

Tirol

10. September 2017: Tarrenz, (Schafabtrieb)
15. September 2017: Pertisau, 13:30 Uhr
21. September 2017: Tannheim, 13:00 Uhr
23. September 2017: Kufstein, 14:30 Uhr
23. September 2017: Söll, 12:00 Uhr
23. September 2017 und 30. September 2017: Reith im Alpbachtal, 12:00 Uhr
29. September 2017: Hopfgarten im Brixental
07. Oktober 2017: Mayrhofen, 9:30 Uhr

Vorarlberg

01. September 2017: Au-Schoppernau, 9:00 Uhr
02. September 2017: Bartholomäberg, 11:00 Uhr
09. September 2017: Silbertal, 10:00 Uhr
09. September 2017: Schwarzenberg, 9:00 Uhr
19. September 2017: Riezlern Kleinwalsertal, 8:15 Uhr

Kärnten

09. September 2017: Mallnitz, 8:30 Uhr
09. September 2017: Bad Kleinkirchheim, 11:00 Uhr

Steiermark

03. September 2017: Waldbach-Mönichwald, 12:00 Uhr
23. September 2017: Ramsau am Dachstein
30. September 2017: Schönberg-Lachtal, 9:00 Uhr

 

Bayern

02. September 2017: Mittenwald, 11:00 Uhr (Ziegenabtrieb)
09. September 2017: Mittenwald, 11:00 Uhr (Schafabtrieb)
09. September 2017: Seeg, 13:00 Uhr
09. September 2017: Pfronten-Heitlern, 9:00 Uhr
11. September 2017: Bad Hindelang, 8:30 Uhr
13. September 2017: Oberstdorf, 9:00 Uhr
15. September 2017: Oberstaufen, 8:30 Uhr
16. September 2017: Immenstadt, 9:00 Uhr
16. September 2017: Krün, 11:00 Uhr
16. September 2017: Gunzesried, 9:00 Uhr
17. September 2017: Mittenwald, 11:00 Uhr (Rinderabtrieb)
23. September 2017: Bischofswiesen, 13:00 Uhr
23. September 2017: Obermaiselstein, 9:00 Uhr
30. September 2017: Haldenwang, 10:00 Uhr
Mitte / Ende September 2017: Sachrang 
Anfang Oktober 2017: Königsee

Schweiz

02. September 2017: Parpan, 10:30 Uhr
09. September 2017: St. Stephan, 10:00 Uhr
16. September 2017: Flims Dorf, 8:30 Uhr
16. September 2017: Einsiedeln, 11:00 Uhr
30. September 2017: Kerns, 11.30 Uhr

Südtirol

03. September 2017: Wolkenstein Langental, 10:00 Uhr
10. September 2017: Vöran, 10:00Uhr
11. September 2017: Kurzras, 15:00 Uhr (Schafabtrieb)
23. September 2017: Meransen, 12:00 Uhr
30. September 2017: Kastelruth, 10:00 Uhr
14. Oktober 2017: Terenten, 10:00 Uhr

 

Kurzfristige Absagen oder Verschiebungen der Almabtriebe sind möglich, die Termine und Zeiten sind ohne Gewähr. Am besten informieren Sie sich bei den jeweiligen Touristenbüros vor Ort.

 

DER GRUSS „GRÜSS GOTT“ – Für fremde Ohren klingt „Grüß Gott“ schon ein bisserl seltsam. Dabei ist dieser alte Gruß im Alpenland so selbstverständlich, dass wir uns hier nur selten fragen: Was genau bedeutet „Grüß Gott“ eigentlich?

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