Handtaschen aus Holz

Der Taschentischler

Handtaschen aus Holz - Taschentischler Gerhard Hackl
Der Hackl Gerhard war ein ganz normaler Tischler. Aber weil seine Frau nie eine gescheite Handtasche fand, wurde der Gerhard ein Taschentischler: Jetzt macht er Handtaschen aus Holz.

 

Bloß gut, dass der Hackl Gerhard seine Frau hat. „Wenn i mei Frau ned hätt“, sagt er, „dann hätt i koa Handtaschn gmacht“.

Und wenn der Gerhard keine Handtaschn gmacht hätt, dann wär er halt ein ganz normaler Tischler, so wie er’s nach der Lehre viele Jahre lang war. Wegen seiner Frau Beata aber ist der Gerhard ein Taschentischler geworden und macht Handtaschen aus Holz.

Im alten Stall seines Elternhauses hat der Taschentischler seine Werkstatt

Hoch droben in 900 Meter auf der Mühlviertler Alm in Oberösterreich hat der Gerhard seine Werkstatt im alten Stall seines Elternhauses. Hier haben schon seine Großeltern gelebt. Hier in Grafenschlag ist der Gerhard mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Hier wohnt er heute mit seiner Frau Beata und den drei von ihren fünf Kindern, die noch daheim sind.

Ein paar Hendl gehören zu dem kleinen Bio-Hof, ein paar Katzen und ein Hund. Vier Nachbarn haben die Hackls und sonst nur Wald und Wiesen um sich herum – und eine Fernsicht, die den Gerhard ins Schwärmen bringt. Neun Hektar Wald und Wiesen bewirtschaftet der 51-Jährige. Aber am liebsten ist er in seiner Werkstatt und tischlert Handtaschen.

Handtaschen aus Holz: Aussicht von der Alm

Vor seiner Haustür hat der Taschen­tischler Wiesen und Wald und Holz grad genug.

 

Dass es dazu gekommen ist, hat der Hackl Gerhard seiner Frau zu verdanken. Die, erzählt der Gerhard, „hat immer g’schimpft, wenn sie sich eine neue Handtaschn gekauft hat. Meistens hat ihr irgendwas dran nicht gepasst“. 

Als dann einmal eine neue Handtasche kaputt ging, und die Verkäuferin bei der Reklamation meinte, das Herrichten sei’s gar nicht wert, da hat’s der Beata gereicht. „Jetzt musst ma a Holztaschn machn!“, hat sie zum Gerhard gesagt.

Da hat die Beata zum Gerhard gesagt:
„Jetzt musst ma a Holztaschn machn!“

Und der Gerhard erfüllte ihr den Wunsch. Nach Beatas Skizze tischlerte er seine erste Handtasche aus Holz. Mit Wildholz aus dem eigenen Wald. Weiden, Pappeln, Erlen und Birken stehen da unter anderem.

Für seine Handtaschen nimmt der Gerhard „Holz, das vielen zu schlecht wäre zum Verheizen“. Besonders gern mag er Holz, das schon am Verwittern ist. In diesem Zustand zersetzt der Pilz das Holz und genau da, wo der Pilz drinnen war, entstehen durch die Einlagerungen ganz einzigartige Maserungen.

Immer wieder ist es für den Gerhard „ein magischer Moment“, wenn er das Holz aufschneidet und zum ersten Mal sieht, wie’s drinnen ausschaut.

TANGLEN Auf einem Bierdeckel kritzeln kann jeder. Doch bei Manuela Seidl wird Kunst daraus: Sie ist leidenschaftliche Tanglerin – und sie bemalt nicht nur Bierdeckel. Wir haben ihr dabei zugeschaut.

Die Natur arbeitet so schön, dass seine Taschen keinen anderen Schnickschnack brauchen. Nichts wird eingefärbt, alles bleibt wie es ist. Nur Wasserlack kommt drauf, der ist geruchsneutral und umweltfreundlich. Die Handtaschen vom Gerhard sollen schließlich nachhaltig sein.

So war’s auch schon bei der ersten Tasche für die Beata. Die Näharbeiten für die Seitenteile aus Stoff, Filz, Leder oder Fell und das Futter hat sie selbst gemacht, und das tut sie bis heute. Der Gerhard ist dafür zu ungeschickt, zu „botschad“, wie er sagt. Deshalb arbeiten die zwei im Team.

Die Näharbeiten für die Handtaschen aus Holz macht
die Beata – dazu ist der Gerhard zu „botschad“

Schön ist sie geworden, ihre erste Holztasche, und überall, wo die Beata damit aufkreuzte, wurde sie bewundert. Gar nicht recht glauben konnten die Frauen (und Männer), was sie da sahen. „Ist die aus Holz?“, staunten sie, und meistens wollten sie auch gleich wissen: „Wo kriegt man denn sowas?“

Schnell hatten der Gerhard und die Beata die ersten Kundinnen. 2014 zeigten sie dann eine Kollektion aus sechs Taschen auf einem Markt. „Saukalt war’s, und einen Eisregen hat’s g’habt“, erinnert sich der Gerhard. Aber trotz dieser Widrigkeiten ließ sich das Geschäft gut an. Das Interesse an Handtaschen aus Holz war groß.

 

Handtaschen aus Holz: Frau brennt Muster ein
Wenn es die Kundschaft wünscht, wird die Handtasche aus Holz individuell verziert.

Handtaschen aus Holz: Gerhard Hackl beim Leimen
Ein „magischer Moment“ ist es für Gerhard Hackl, wenn er sieht, wie das Holz drinnen ausschaut.

 

Groß genug jedenfalls, dass sich der Gerhard ganz aufs Taschentischlern verlegt hat. Zehn bis fünfzehn Stunden dauert’s, bis eine Tasche fertig ist. Je nach Holzart und Modell kostet sie 120 bis 500 Euro.

Die Hackls machen Taschen gern auch ganz nach den speziellen Wünschen der Kundinnen. Viele bringen gleich den Stoff für ihre Tasche mit – zum Beispiel, damit sie nachher perfekt zum Dirndl passt.

 Jede Handtasche ist anders, jede hat ihren eigenen Charakter

Sowieso ist beim Gerhard und der Beata jede Tasche ein Original. Jede ist anders, weil das Holz immer anders ist. Jede bekommt dadurch ihren eigenen Charakter.

Und jede Tasche ist mit ganz viel Liebe gemacht, denn der Gerhard und die Beata mögen einander und ihre Arbeit. Und „unsere ganze Liebe“, sagt der Gerhard, „kommt in die Handtaschn“.

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Handtaschen aus Holz: Holzhandtasche

Auf der Homepage vom Hackl Gerhard können Sie die neuesten Modelle des Taschen­tischlers anschauen und kaufen – oder Sie besuchen seine Facebook-Seite.

Außerdem finden Sie seine getischlerten Taschen in der Galerie 10er-Haus in Gmunden, im Gasteiner Kistl in Bad Hofgastein, und auch ’s Fachl in Salzburg hält sie bereit.