Heiliger Leonhard

Sankt Leonhard, behüt’ unser Vieh!

Pferdegespanne zum Leonharditag
Der 6. November ist für Bauern ein Festtag: Mit Umritten und prächtigen Pferdegespannen ehren sie den Leonhard – einen französischen Einsiedler, der einer der beliebtesten Heiligen des Alpenlandes wurde.

 

Früh auf den Beinen sind Maria und Martin Mayer vom Pfisterfranzlhof in Bad Tölz immer. Aber am 6. November herrscht bei ihnen in aller Herrgottsfrüh schon Hochbetrieb: Um vier Uhr morgens erledigen die beiden bereits die Stallarbeit, dann beginnen die Vorbereitungen für die Leonhardifahrt.

Die größte Pferdewallfahrt Europas ist ein Herzensanliegen für Martin und seine Frau. Der Pfisterfranzl ist Rosserer, er wird das Vierergespann mit dem Wagen der Musikkapelle Gaißach den steilen Kalvarienberg hinauf lenken zur Kirche, wo Ross und Reiter den Segen bekommen. Maria nimmt im Wagen der Gaißacher Schalkfrauen an der Wallfahrt teil: Stundenlang werden die Frauen auf dem Wagen sitzen, den Rosenkranz beten und singen. „Das ist das Wichtigste“, sagt Maria Mayer, „denn es geht ja darum, vom heiligen Leonhard Schutz für Haus und Hof zu erbitten.“

„O heiliger Sankt Leonhard / schau gnädig ra auf unser’ Fahrt
und hilf, dass mir durch unser Fahr’n / den teuren Viehdokta dasparn!“

So lautet die volkstümliche Bitte an den „Bauernherrgott“, wie der Heilige im Alpenland auch genannt wird. Dabei war seine Herkunft weder bäuerlich noch alpenländisch: Leonhard lebte in Frankreich, seine adlige Familie gehörte zum Hof der Merowinger. Der Sohn wurde von Erzbischof Remigius von Reims getauft und unterrichtet, bekam später sogar ein Bistum angeboten – doch Leonhard schlug es aus. Er wollte lieber in der Einsamkeit des Waldes nur Gott dienen.

Von seiner kleinen Zelle aus heilte er Kranke und unterstützte Arme. Besonders am Herzen lagen ihm die Gefangenen, die er regelmäßig im Kerker besuchte. Oft soll allein sein Gebet ihre Fesseln gesprengt haben.

Weizen

„Wenn auf Leonhardi Regen fällt, ist’s mit dem Weizen schlecht bestellt“

(Bauernregel)

Karte – Drei Leonhardiritte im Alpenland

1 Bei der Leonhardi­fahrt in Bad Tölz bewundern jedes Jahr um die 20.000 Besucher die Pferde­gespanne.

2 Schon 1442 gingen die Leute in Kreuth auf Leonhardifahrt – eine ältere gibt’s wohl nirgends.

3 Das niederösterreichische Klein-Harras lässt den Brauch wieder aufleben: Seit 2010 gibt es hier einen kleinen Leonhardiritt.

Vielleicht erreichte der Einsiedler aber auch deswegen so viel für seine Schützlinge, weil er beim König einen Stein im Brett hatte. Als dieser auf der Jagd nämlich einmal von seiner schwangeren Frau begleitet wurde, setzten unversehens die Wehen ein. Leonhard eilte herbei, betete für Mutter und Kind – und die Königin gebar einen gesunden Buben.

Zum Dank versprach der König dem Retter Gold und Silber, doch Leonhard bat, es den Armen zu geben. Für sich selbst wünschte er nur ein so großes Stück vom Wald, wie er in einer Nacht mit seinem Esel umreiten konnte. Dort errichtete er ein Kloster, in dem er bis zu seinem Tod in großer Enthaltsamkeit lebte. Heute trägt es seinen Namen: St-Léonard de Noblat, bei Limoges gelegen.

Nicht nur ein Schutzheiliger des Viehs,
sondern auch der Gefangenen

Bald nach Leonhards Tod begann seine Verehrung als Schutzpatron der Gefangenen, weshalb er oft mit Ketten oder Fesseln abgebildet wird. Im Lauf der Zeit deuteten die Gläubigen diese auch als Viehketten, und Leonhard wurde somit zum Vieh- und Pferdepatron, zum Beschützer von Haus und Hof. Das machte ihn unweigerlich zu einem der wichtigsten und beliebtesten Heiligen im Alpenland. Den Bayern gilt er gar als „der bayerische Herrgott“.

Leonhardi ist bis heute ein Bauern-Festtag, an dem Mensch und Vieh den kirchlichen Segen bekommen. Nicht nur in Bad Tölz, wo die ganze Stadt und ihre Touristen der alljährlichen Leonhardifahrt entgegenfiebern. Und  nichts könnte Maria Mayer vom Pfisterfranzlhof von diesem schönen alten Brauch abhalten. „Es is’ halt Leonhardi!“, sagt sie und ihr Gesicht erstrahlt vor Freude.

Weitere bedeutende Heilige im November

 

3.  November 
Silvia
Die Mama von Papst Gregor I., daher Patronin für gute Geburten

8.  November 
Claudius
Römischer Märtyrer und, wie Leonhard, ein Beschützer des Viehs

11.  November 
Martin
Der Lieblings­heilige aller Kinder (naja, nach dem Nikolaus vielleicht)

 

17. November 
Elisabeth
Die adlige Wohltäterin, die aus der Wartburg vertrieben wurde

 

20.  November  
Korbinian
Schutzpatron von München (deswegen ein regionaler Gedenktag)

 

23.  November  
Clemens
Der vierte Papst, er wurde mit einem Anker am Hals ertränkt

 

25.  November  
Katharina
Die Märtyrerin ist Nothelferin der Mädchen und Frauen

 

27. November  
Virgil
Der Patron des Bundeslandes sowie der Stadt Salzburg

 

DER GRUSS „GRÜSS GOTT“ – Für fremde Ohren klingt „Grüß Gott“ schon ein bisserl seltsam. Dabei ist dieser alte Gruß im Alpenland so selbstverständlich, dass wir uns hier nur selten fragen: Was genau bedeutet „Grüß Gott“ eigentlich?

Text: Rosina Wälischmiller • Foto: Katharina Fink

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Statue des heiligen Leonhards

Der Leonharditag am 6. November ist das an­gebliche Todesdatum des Einsiedlers, er starb im Jahr 559.

Mancherorts zählt man ihn auch zu den Vierzehn Nothelfern – dafür fällt dann ein anderer Heiliger aus der Gruppe.

Auch Gebärende bitten traditionell um seine Fürsprache.

 

Handschellen und Ketten

Befreit von allen Fesseln

Sankt Leonhard ist nicht nur ein Schutzheiliger des Viehs: Weil er sich besonders um Gefangene gekümmert haben soll, gilt er auch als Patron aller Häftlinge. Einige Kirchen, die auf seinen Namen geweiht sind, werden sogar ringsum mit einer Kette umspannt.