Heiliger Nikolaus

Ein Heiliger für alle

Heiliger Nikolaus beschenkt arme Mädchen mit goldenen Äpfeln und mehrt die Ladung eines Schiffs
Er ist der Patron der Bankiers und der Bettler, der Kinder, Metzger und Seeleute: Kaum ein Heiliger wird von so vielen verschiedenen Leuten verehrt wie der Nikolaus – obwohl es den einen historischen Nikolaus in Wahrheit wohl nie gegeben hat.

 

Mit banger Vorfreude wird der Nikolaus am Abend des 5. oder 6. Dezember von den Kindern erwartet. Selbst die größten Lausbuben werden kleinlaut, wenn er sein goldenes Buch aufschlägt, das die guten und bösen Taten eines ganzen Kinderjahres birgt. Zum Glück hat der heilige Mann ein großes Herz für Kinder, und nach Lob und Tadel findet sich in seinem Sack dann doch immer eine Belohnung.

Schon zu seinen Lebzeiten im 3. und 4. Jahrhundert war Nikolaus als großzügiger Wohltäter bekannt. Als seine vermögenden Eltern an der Pest starben, verteilte der junge Priester sein Erbe an die Armen. So bewahrte er auch einige Mädchen aus seiner Nachbarschaft vor der Prostitution, indem er ihnen heimlich eine ausreichende Mitgift durchs Fenster oder den Kamin warf.

Zu Lebzeiten ein streitbarer Gelehrter, der schon mal Ohrfeigen verteilte 

Nikolaus war aber auch ein Gelehrter. Als Abt leitete er das Kloster Sion, bevor er zum Bischof der Gemeinde Myra ernannt wurde. Er pilgerte sogar ins Heilige Land und nahm im Jahr 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Dort gehörte er zu den Verfechtern der Lehre von der Dreieinigkeit und sorgte mit seinen kämpferischen Reden gegen die Lehre des Arianismus für Aufsehen. Er soll Arius, der sich gegen das Dogma der Dreifaltigkeit stemmte, gar öffentlich geohrfeigt haben.

Blühender Barbarazweig

DIE HEILIGE BARBARA  Was hat der schöne Brauch der blühenden Kirschbaumzweige mit der Märtyrerin zu tun? Warum soll ihr Vater sie eigenhändig geköpft haben? Erfahren Sie mehr über die heilige Barbara.

 

Aber in seiner Heimat galt sein Wirken weiter den Armen und Hilfesuchenden, die er immer wieder auf wundersame Weise rettete. Als in Myra eine große Hungersnot herrschte, legten eines Tages ägyptische Schiffe im Hafen an, voll beladen mit Getreide für ihren Kaiser. Die hungernden Menschen flehten die Seeleute an, ihnen etwas davon abzugeben.

Die Seeleute aber ließen sich nicht erweichen, aus Angst, später selbst bestraft zu werden, wenn ein Teil der Ladung fehlte. Da ging Bischof Nikolaus selbst zu ihnen, bat sie inständig um Hilfe und versprach, dass beim Löschen der Ladung kein einziges Korn fehlen würde. So überzeugend war der Heilige, dass die Matrosen ihm glaubten und großzügig Getreide verteilten. Sie wurden nicht enttäuscht und kamen in Ägypten tatsächlich mit einer vollständigen Ladung an.

Er soll sogar einen Buben wieder zum Leben erweckt haben

Anderen Legenden zufolge bewahrte Nikolaus einige zu Unrecht Verurteilte vor dem Tod, indem er das Schwert des Henkers abwehrte; er erweckte Knaben, die Kannibalen in die Hände gefallen waren, wieder zum Leben und lenkte ein Schiff in höchster Seenot sicher durch einen schweren Sturm, nachdem die Mannschaft Gott um Hilfe angerufen hatte. Den Dank der Seeleute wehrte er mit den Worten ab: „Nicht ich habe euch gerettet, sondern euer Glaube hat euch gerettet.“


„Niklaus, Niklaus, lieber Mann,
klopf an unsre Türe an!
Wir sind brav, drum bitte schön
lass den Stecken draußen stehn!

 

Walnüsse sind eine beliebte Gabe im Nikolausstiefel

Niklaus, Niklaus, huckepack,
schenk uns was aus deinem Sack!
Schüttle deine Sachen aus,
gute Kinder sind im Haus!“


Es gibt so viele Nikolaus-Legenden, dass er im Volksglauben der passende Fürsprecher in fast allen Nöten ist. Die Bankiers haben ihn ebenso zu ihrem Patron erkoren wie die Diebe, die Eigentümer stehen unter seinem Schutz und die Bettler. Auch die Kinder natürlich, die Seeleute und viele andere mehr, vom Metzger über die Wirte bis zu den Apothekern, Richtern und Rechtsanwälten.

Sie alle hoffen auf den Beistand des menschenfreundlichen Heiligen – den es als Person aber wahrscheinlich so nicht gegeben hat. Vermutlich entstand die Figur des beliebten Volksheiligen aus unterschiedlichen Erzählungen über einen Abt Nikolaus von Sion in der Nähe von Myra und über den Bischof Nikolaus von Pinara.

Vermutlich hat es ihn als historische Person so nie gegeben

Ab dem 6. Jahrhundert entwickelte sich aus dieser Mischung der Kult um den heiligen Nikolaus, der sich über Konstantinopel und Griechenland allmählich nach Mitteleuropa verbreitete. Ab dem Mittelalter ist der Brauch belegt, dass der Heilige die Kinder beschert.

Zu dieser Zeit war er der einzige Gabenbringer in der Weihnachtszeit. Sehr zum Leidwesen des Reformators Martin Luther, der vehement gegen die Heiligenverehrung war und deshalb als Konkurrenz zum Nikolaus das Christkind „erfunden“ haben soll, welches dem Heiligen schließlich den Rang ablief. Freuen dürfen sich darüber die Kinder, die nun in der Weihnachtszeit gleich zweimal beschenkt werden.

Weitere bedeutende Heilige im Dezember

 

4. Dezember 
Barbara
Ihr eigener Vater soll sie enthauptet haben, weil sie sich hatte taufen lassen

 

13.  November 
Lucia
Ihr Tag ist ein Lichterfest, etwa mit schwimmenden Kerzen auf dem Fluss

 

21. Dezember 
Thomas
Der ungläubige Apostel – sein Tag ist der kürzeste, dunkelste des Jahres

 

26. Dezember  
Stefan
Der erste Märtyrer des Christentums, wenige Jahre nach dem Tod Jesu

 

Lesen Sie auch

Advent
Zwischen leuchtenden Ständen strawanzen, Schmankerl und Glühwein probieren: Diese fünf Adventsmärkte gehören zu den schönsten im Alpenland.
Jetzt lesen →

WER IST WER?

Nikolaus-Socke und Weihnachtsmann

 Nikolaus und Weihnachts­mann werden oft verwechselt.

 Der Weihnachts­mann ist eine deutlich jüngere Erfindung (ebenso wie das Christkind, Knecht Ruprecht oder die Weihnachtswichtel).

Der Nikolaus hat ein untrügliches Erkennungs­merkmal: Er war Bischof, also trägt er eine Mitra auf dem Kopf.

 


GRAUSIGER BEGLEITER

Nikolaus – Illustration mit Krampus

Knecht Ruprecht, der „offizielle“ Begleiter des heiligen Nikolaus, war lange Zeit ein Kinderschreck, der die Unartigen bestrafte. Seine Gestalt geht vermutlich auf mittelalterliche Schreckfiguren zurück, mit denen Eltern den Kindern drohten, wenn diese nicht artig waren. Heute fungiert Ruprecht meist nur noch als Knecht, der den Sack mit den Gaben trägt.

Der Krampus hingegen entwickelte sich aus alpenländischen heidnischen Bräuchen, wie den Perchten, mit denen man Geister und Hexen vertreiben wollte. Krampusse tragen wilde Masken und Felle, scheppern mit Ketten, schwingen Ruten – sie haben Knecht Ruprecht als Schreckfigur verdrängt. In vielen Dörfern und Städten gibt es am 5. und 6. Dezember tra­ditionelle Krampusumzüge.