Sündige Fastenspeisen

Das sind Fastenspeisen? 5 schmackhafte Überraschungen

Fastenspeisen - Maultaschen oder Herrgottsb'scheißerle
Fastenspeisen als Schlupfloch: Eigentlich wird zwischen Aschermittwoch und Ostern traditionell verzichtet – auf Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol. Doch die Klosterküchen umgingen das Fastengebot einst recht raffiniert. So entstanden Gerichte, die heute niemand für Fastenspeisen halten würde.

 

1. Maultaschen

„Fleisch, das man nicht sehen kann, ist auch nicht da“, so dachten sich wohl die Zisterziensermönche im schwäbischen Kloster Maulbronn, als sie im 17. Jahrhundert die Maultasche erfanden.

Durch einen glücklichen Zufall kamen die Mönche damals zu einem Stück Fleisch – nur leider während der Fastenzeit. Aber echte Schwaben lassen nix verkommen: Sie zerkleinerten das Fleisch, vermischten es mit Kräutern und Spinat aus dem Klostergarten zu einer grünen Masse und versteckten diese vorsichtshalber noch in einem Teigmantel. So entstand die Maultasche – die sinnigerweise auch „Herrgottsb’scheißerle“ genannt wird und bis heute als Suppe eine traditionelle Fastenspeise ist. Aber Vorsicht, gell: Der Herrgott sieht alles!

 

Maultaschensuppe

Zutaten für den Nudelteig:
125 g Mehl
2 Eier
1 EL Wasser

 

Zutaten für die Füllung:
150 g Hackfleisch
½ Zwiebel
etwas Öl
2 EL kleingehackte Petersilie
1 Ei
2 EL Semmelmehl
Salz, Pfeffer und Muskat

Und für den Schmelz:
2 EL Semmelmehl

Für die Maultaschenfüllung die Zwiebel kleinschneiden und zusammen mit der kleingehackten Petersilie in Öl etwas anschwitzen. Kneten Sie aus den übrigen Zutaten einen „Fleischteig“ und geben Sie die angebratene Zwiebel und die Petersilie dazu. Die Masse anschließend kurz quellen lassen. Derweil können Sie den Nudelteig zubereiten.

Für den Nudelteig geben Sie Mehl, Eier und Wasser in eine Schüssel und kneten daraus einen Teig. Diesen verarbeiten Sie mit einer Nudelmaschine (eingestellt auf die dünnste Stufe) weiter zu Teigstreifen und schneiden diese in rechteckige Stücke, etwa 10 x 8 Zentimeter groß. Auf jedes Stück kommt jeweils ein Teelöffel der Fleischmasse. Die Ränder etwas mit Wasser bestreichen und die Maultaschen zusammenklappen. Danach die Ränder mit einer Gabel festdrücken.

Geben Sie die fertigen Maultaschen in kochende Gemüse- oder Rinderbrühe und lassen Sie sie 15 bis 20 Minuten leicht köcheln.

Besonders fein werden die Maultaschen mit einer leckeren Schmelze: Dazu etwas Fett in eine Pfanne geben und die Semmelbrösel leicht anschmelzen. Diese Schmelze geben Sie dann ganz zum Schluss über die Suppe.

 

2. Fleisch und Geflügel

„Ich taufe dich auf den Namen ‚Karpfen‘!“ So soll einst ein Kardinal kraft seines Amtes ein saftiges Stück Fleisch zum Fisch „verwandelt“ haben. Und den darf man bekanntlich in der Fastenzeit essen.

Da aber Fisch vor allem im Landesinneren schwer zu beschaffen und auch teuer war, erklärte man einfach alles mögliche Fleisch zum Fisch: So wurde das Wildschwein kurzerhand zum Bergwal, alle Tiere im und ums Wasser ließ man als Fisch durchgehen.

Für den Verzehr von Geflügel legte man sich noch eine spitzfindigere theologische Erklärung zurecht: Schließlich wurden Vögel am selben Schöpfungstag erschaffen wie die Wassertiere und sind deshalb diesen gleichzusetzen. Mei, alles nur Definitionssache …

 

3. Brezen

Fastenspeisen - knusprige Brezen
Knusprige Brezen – so was gab’s früher nur zwischen Aschermittwoch und Grün­donnerstag.

 

 

Kaum vorstellbar, dass die Breze, die heute von keiner bayerischen Brotzeit mehr wegzudenken ist, früher eine Fastenspeise war.

Bis ins 18. Jahrhundert gab es das leckere Laugengebäck nur von Aschermittwoch bis Gründonnerstag. Im Mittelalter wurde die Fastenbreze, die anstatt in Natronlauge nur in heißes Wasser getaucht wurde, in den Klöstern an Arme und Kinder verteilt.

Auch die unverkennbare Form der Breze kommt aus den Klöstern und soll angeblich an die Gebetshaltung der Mönche erinnern, die beim Gebet ihre Arme vor der Brust verschränkten. Daher hat die Breze auch ihren Namen: Aus dem lateinischen „brachiolum“, was übersetzt „Ärmchen“ bedeutet, wurde das Wort „Breze(l)“.

Mit der Fastenzeit beginnt auch die Starkbierzeit. Schon im Mittelalter brauten Mönche ein extra kalorienreiches Bier, um trotz Fasten bei Kräften zu bleiben. Hier sind 7 spannende Fakten zum „flüssigen Brot“.

 

4. Schokolade und Marzipan

Von Papst Pius V. persönlich wurde die Schokolade vor über 400 Jahren als Fastenspeise erlaubt.

Allerdings hatte das mexikanische Getränk Xocolatl, um das es damals ging, nichts mit der heutigen Schokolade zu tun. Ohne Zucker und Vanille schmeckte die Trinkschokolade so bitter, dass der Papst beschloss: Schokolade bricht das Fasten nicht.

Auch Marzipan kam früher in den Klöstern als fleischlose Fastenspeise auf den Tisch. Die Süßigkeit ist auch heute noch mancherorts als „Osterbrot“ oder „Pilgerbrot“ bekannt.

 

5. Mehlspeisen

Fastenspeisen - Dampfnudel mit Vanillesoße
Mit richtig viel Vanillesoße schmeckt die Dampfnudel am besten. Ob das damals in den Klöstern schon so war?

 

 

Der Verzicht auf Süßigkeiten und Zucker ist heutzutage der Klassiker beim Fasten. Dabei haben süße Mehlspeisen wie Dampfnudeln, Kaiserschmarrn oder Strudel ihren Ursprung gerade in der Fastenzeit.

Hielten sich früher die Mönche an die Fastenregeln, wurden sie mit Süßspeisen belohnt. Das waren die Vorgänger der heutigen Mehlspeis’. Anfangs waren dies nur einfache Fladen, Oblaten oder ein Mehlbrei mit Honig.

Im Laufe der Zeit entstand in den Klosterküchen aber eine ganze Vielfalt an süßen Mehlspeisen, die in der Fastenzeit gegessen werden durften. Auch heute noch kommen während der Fastenzeit in vielen Haushalten Mehlspeisen als fleischfreie Speisen auf den Tisch.

 

Bayerische Dampfnudeln

Zutaten (für etwa 8 bis 11 Stück):
500 g Weizenmehl
1 Würfel Hefe
¼ l lauwarme Milch
1 EL Zucker
1 TL Salz
2 Eier

Zutaten zum Garen der Nudeln:
60 g Butter
¼ l Milch oder Wasser
1 EL Zucker

Tipp:
Stellen Sie alle Zutaten schon am Tag vorher raus, da sie Zimmertemperatur haben sollten.

Das Mehl in eine Schüssel sieben. Das ist wichtig, damit die Dampfnudeln schön locker werden. In die Mehlmitte eine Grube drücken.

Die Hefe in einer kleinen Schüssel zerbröckeln, mit 1 EL Zucker, etwas lauwarmer Milch und etwas Mehl zu einem dickflüssigen Teig verrühren und in die vorbereitete Mehlgrube geben. Leicht mit Mehl bestäuben. Nun die Schüssel mit einem Geschirrtuch zudecken und das Hefeteiglein an einem warmen Ort gehen lassen, bis es die doppelte Größe erreicht hat – das dauert etwa 15 Minuten.

Dann den Rest der lauwarmen Milch, die Eier und das Salz dazugeben. Den Teig so lange kneten, bis er sich von der Schüssel löst, glatt ist und Blasen wirft. Nun nochmal 1 Stunde zugedeckt gehen lassen.

Den Teig zu Nudeln formen und auf einer bemehlten Unterlage eine halbe Stunde ruhen lassen.

In der Zwischenzeit ¼ l Milch, die Butter und 1 EL Zucker in einer beschichteten Pfanne aufkochen lassen. Die Nudeln in die kochende Milch geben, sofort auf die kleinste Wärmestufe zurückschalten und den Deckel auf die Pfanne setzen. Obacht: Den Deckel dürfen Sie während des Garens nicht abnehmen, sonst fallen die Dampfnudeln sofort zusammen!

Bei schwacher Hitze 20 bis 25 Minuten köcheln lassen, bis die Nudeln die Milch aufgesogen haben und die Krustenbildung mit dem typischen „Krachen“ beginnt. Dann sind sie fertig!

Nun können Sie die Dampfnudeln mit einem Pfannenwender aus der Pfanne nehmen und servieren. Dazu schmeckt Vanillesoße oder Kompott.

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