Starkbier in der Fastenzeit

7 spannende Fakten zum Fastentrunk

Starkbier in der Fastenzeit: Mönche trinken Starkbier
Mit der Fastenzeit beginnt traditionell auch die Starkbierzeit. Schon im Mittelalter brauten Mönche ein besonders kalorienreiches Fastenbier, damit sie trotz Fastengebot bei Kräften blieben. Damals war es notwendig – heute schmeckt’s einfach. Wissenswertes zum „flüssigen Brot“.

 

1. Schlaue Mönche: So bekam das Fastenbier den Segen der Kirche

 
Seit jeher gilt in der katholischen Kirche der Grundsatz: „Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Doch da bekamen die bayerischen Mönche im 17. Jahrhundert Zweifel, nachdem sie ein besonders schmackhaftes und gehaltvolles Bier gebraut hatten. Verstößt ein solch herrlicher Trunk nicht gegen das Fastengebot?

Um sich abzusichern, schickten sie ein Fass des Bieres nach Rom, damit der Papst probiere und entscheide. Auf der wochenlangen Reise wurde das Bier kräftig durchgeschüttelt, alpiner Eiseskälte und italienischer Sonne ausgesetzt. Darum erreichte ein völlig verdorbenes Gebräu den Heiligen Vater. Nachdem er probiert hatte, lobte der Papst die Leidensfähigkeit seiner bayerischen Brüder und gab das Starkbier als Fastentrunk frei.

2. Das Starkbierfest: Die fünfte Jahreszeit der Bayern

In Bayern – und insbesondere München – wird Starkbier während der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern ausgeschenkt. Während dieser Starkbierzeit trifft sich das Volk dann zu zünftigen Starkbierfesten in den Brauhäusern. Dabei hat sich auch die Tradition des öffentlichen „Derbleckens“ etabliert. Der Höhepunkt ist dabei die Starkbierprobe auf dem Nockherberg in der Paulaner-Brauerei: Hier macht die Polit-Prominenz gute Miene zur spöttischen Fastenpredigt und zum satirischen Singspiel.

REZEPTE AUS VIER ALPENLÄNDERN In der Fastenzeit galten früher strenge Regeln, vor allem beim Essen – aber unsere Großmütter waren ja erfinderisch: Ihre Fastenspeisen schmeckten damals und schmecken noch heute.

3. Hauptsache „-ator“: Die Namen der Fastenbiere

 
Salvator, Maximator, Triumphator, Delicatior – die Fastenbiere in Bayern tragen klangvolle Namen, die mit der Silbe „-ator“ enden. Ursprung dieser humoristischen Tradition ist das älteste bayerische Starkbier, der 1751 erstmals gebraute „Salvator“ der Paulaner-Mönche des Klosters Benediktbeuern. Dessen erfinderische Mönche hatten die offizielle Erlaubnis, zum Namenstag ihres Ordensstifters Franz von Paula ein „Heilig-Vater-Bier“ zu brauen und auszuschenken.

4. Starkbier ist Bockbier: Ein kleines Starkbier-Einmaleins

 
Ein Starkbier oder Bockbier ist ein Bier, dessen Stammwürzegehalt über 16% liegt. Sein Alkoholgehalt ist damit 6,5% oder höher.

Ein Doppelbock ist ein Starkbier mit einem eingebrauten Stammwürzegehalt von mehr als 18% und einem Alkoholgehalt, der zwischen 5 und 12% liegt. Alle bayerischen Fastenstarkbiere sind Doppelbockbiere.

Im Kloster Marienstatt wird seit 1362 Bier gebraut. Braumeister Gerd Siebel erklärt, warum Fastenbier gesünder ist als normales Bier und wie es gebraut wird.

5. Farbenspiele: Je dunkler das Bier, desto gehaltvoller?

 
Diese Annahme gehört ins Reich der Legenden, denn die Farbe sagt nichts über den Stammwürze- oder Alkoholgehalt des Bieres aus. Es gibt helle ebenso wie dunkle Bock- und Doppelbockbiere und sogar Weizen-Bockbiere.

6. Das Stärkste der Starken: Der Eisbock aus Kulmbach

 
Der Eisbock ist unter den Starkbieren die kräftigste Variante. Seine Existenz verdankt er der Legende nach einem Malheur des Brauereigesellen aus Kulmbach

Er hatte in einer kalten Winternacht versehentlich ein Fass mit Starkbier im Hof der Brauerei stehenlassen. Das Bier fror ein und brachte das Fass zum Bersten. Im Innern des Eisblocks hatte sich jedoch ein alkoholreiches und daher noch flüssiges Bierkonzentrat gesammelt.

Zur Strafe soll der erboste Braumeister seinem Gesellen befohlen haben, den Sud auszutrinken. Dieser kostete, erstaunte und trank dann in großen Schlucken davon. Das Ausfrieren hatte ein herrlich kräftiges, sämiges und malziges Getränk hervorgebracht.

Bis heute stellen Braumeister den Eisbock durch Ausfrieren von Starkbier her.

7. Ende Legende: Das Starkbier stammt nicht aus Bayern

 

Verbreitung des Starkbiers

Auch wenn sie für ihre Braukunst und ihren Bierdurscht berühmt sind: Die Erfindung des Starkbieres stammt ausnahmsweise mal nicht aus Bayern. Das Bockbier kommt ursprünglich aus der Stadt Einbeck in Niedersachsen.

Das „ainpöckisch Bier“ mundete aber den Bayern so gut, dass Herzog Wilhelm V. im 16. Jahrhundert von seinen Braumeistern verlangte, eigene Starkbierrezepturen zu entwickeln. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, denn mehr als die Hälfte der deutschen Starkbiere stammt heute aus bayerischen Braustuben.

 

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DAS BIER MUSS AM HOSENBODEN KLEBEN

Schon früh achteten die Bayern streng auf die Einhaltung ihres Reinheitsgebotes.

Dazu hatten die Wirte im 15. und 16. Jahrhundert eine sehr rustikale und anschauliche Methode:

Starkbier in der Fastenzeit: Biertest

Um die Qualität seines Bieres zu demonstrieren, schüttete der Braumeister die erste Mass des frisch gebrauten Bieres auf eine Bierbank aus Eichenholz und setzte drei Burschen in Lederhosen darauf.

Diese sollten nun zwei Stunden darauf sitzen bleiben (gemessen wurde mit einer Sanduhr) und wurden in dieser Zeit reichlich bewirtet. In dieser Zeit sog sich der Hosenboden mit dem Bier voll und es trocknete ein.

Anschließend standen die Burschen gleichzeitig auf. Blieb jetzt die Bank an ihren Hintern kleben, hatte das Bier den Test bestanden und war von guter Qualität.

Es enthielt reichlich klebrigen Malzzucker – der Brauer hatte also nicht mit Malz geknausert. Jetzt durfte er das Bier ausschenken.