Etageren selber machen

Hochstapeln statt wegschmeißen

Diana und Michi: Die "Hochstapler"
Diana und Michi schenken altem Sonntagsporzellan neues Leben in dem sie daraus Etageren selber machen: Die beiden Salzburger suchen auf Flohmärkten liebenswertes Geschirr und bauen daraus Vintage-Etageren. So erstrahlt die Erinnerung an unsere Groß- und Urgroßeltern in neuem Glanz.

 

Für unsere Großmütter war es ein Heiligtum: Das feine Sonntagsgeschirr wurde gehegt und gepflegt, poliert – und vor allem geschont. Nur zu wirklich besonderen Anlässen oder an hohen Feiertagen kam es zum Einsatz. Und tatsächlich, vom guten Geschirr schmeckte Omas Apfelkuchen noch leckerer. Das bildeten wir uns als Kinder zumindest ein.

Gut, dass unsere Großmütter so vorsichtig waren:
So sieht das Porzellan noch heute aus wie neu.

Diese Vorsicht unserer Großeltern kommt heute Diana und Michi zugute. „Es gibt so schönes Oma-Porzellan!“, schwärmt Diana von ihren Flohmarkt-Funden. „Das schaut dann oft wirklich noch aus, als wäre es nigelnagelneu, dabei ist es schon sechzig oder sogar achtzig Jahre alt.“

Porzellan-Etageren in einem Korb

Genial einfach – und einfach charmant: Die fertigen Etageren gibt’s mit zwei oder drei Stockwerken.

 

Diana und ihr Lebensgefährte nennen sich „Die Hochstapler“, und das ist wörtlich zu nehmen: Die beiden Salzburger bauen Etageren aus den alten Tellern und geben ihnen so neues Leben.

Eigentlich ist Michi Ernährungsberater, Diana ist Lehrerin – aber die Freizeit verbringt das Paar am liebsten auf Trödelmärkten beim Stöbern.

Werkstatt haben die „Hochstapler“ keine: Gebastelt wird in der Wohnung.

Dabei finden sie so manches schöne Stück, das sonst womöglich im Müll gelandet wäre. „Man kann am Flohmarkt noch viele Dinge retten und kreativ und gekonnt zu etwas ganz Modernem machen.“

Eine Werkstatt haben die beiden nicht: Gefertigt wird in der Wohnung der beiden. „Das ist alles Home Office. Dafür platzt der Keller aus allen Nähten“, erzählt Diana. „Aber es geht si’ scho’ irgendwie aus.“

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Erst wird das Geschirr gereinigt, dann kommt der Kniff mit dem Loch. „Den Teller oder die Tasse genau in der Mitte zu durchbohren, das ist das Heikelste“. Dazu braucht man sehr viel Gefühl und das richtige Werkzeug.

Wenn das Loch drin und alles heil geblieben ist, suchen die beiden ein passendes Zwischenteil aus, „dann wird’s zamg’schraubt, fotografiert und in den Verkauf gegeben.“

Die Unikate bekommen sogar Namen – von Musikklassikern.

Nicht nur das Upcycling des Geschirrs ist nachhaltig, auch die Verpackung: Ihre Etageren versenden die „Hochstapler“ nicht in Plastik, stattdessen werden die zerbrechlichen Kunstwerke in ein Paket mit Stroh gelegt und so verschickt.   

Alle Etageren der „Hochstapler“ sind Unikate, eine jede bekommt ihren eigenen Namen – angelehnt etwa an Musikklassiker von Al Green oder Louis Armstrong, die denselben Vintage-Charme versprühen wie das Oma-Porzellan.

„Manchmal will es der Zufall so, dass ein Songtitel wie maßgeschneidert auf die Geschichte passt, die das Geschirr schon hinter sich hat.“  

 

Diana und Michael - Meister im Etageren selber machen

Eigentlich ist Diana Lehrerin, Michael ist Ernährungsberater – aber in ihrer Freizeit durchwühlen die beiden jeden Flohmarkt nach Porzellan.

Denn jeder Flohmarktbesuch kann große Momente bereithalten. Ob Hochzeitsgeschirr eines Großelternpaares oder ein Erbstück eines kürzlich verstorbenen Familienmitglieds: Jedes Stück hat seine Geschichte, jede Geschichte hat ihre Eigenheiten.

Die beiden sind immer wieder berührt von den Geschichten der Verkäufer.

„Die Verkäufer macht das meistens ein bisschen wehmütig, wenn sie ihre Schätze weggeben“, erzählt Diana, „aber zugleich sind sie auch unheimlich froh zu wissen, dass diese wieder in gute Hände kommen.“ Das berührt die „Hochstapler“ immer wieder aufs Neue.

Tellervorrat zum Etageren selber machen

Ein ganzer Fundus wartet darauf, bearbeitet zu werden – und so wieder am Alltag teilzunehmen.

Dass das Geschirr beim Durchbohren heil bleibt, können die Hochstapler aber leider nicht garantieren. Beim Etagere selber machen gibt es manchmal eben auch Scherben. „Am Anfang mehr, aber es wird immer weniger“, sagt Diana und lacht.

Eines ist Ehrensache: Geht ein Teller kaputt, wird er nicht wütend beschimpft.

Für diese Fälle haben die beiden „Hochstapler“ einen Ehrenkodex: „Wenn wir etwas zerstören, dürfen wir es auf keinen Fall aus Wut beschimpfen – es wird dann einfach kommentarlos entsorgt.“

Oder aufgehoben: Aus den Scherben lassen sich noch wunderschöne Mosaike basteln.

 

Text: Simone Zwikirsch • Fotos: Manuela Seidl

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Wenn Sie altes Geschirr verwandeln möchten: Diana und Michi bieten regelmäßig Workshops im Etageren selber machen an.

Bringen Sie einfach ihr Geschirr mit, und unter Anleitung der „Hochstapler“ entsteht ihre individuelle Vintage-Etagere. Falls Sie kein eigenes Porzellan mitbringen wollen: Im Fundus der beiden ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Die Termine der nächsten Workshops gibt’s hier: www.diehochstapler.at