Der Gruß „Grüß Gott“

Was bedeutet eigentlich „Grüß Gott“?

eine Holztür auf welcher in weißer Schrift "Grüß Gott tritt ein bring Glück herein" steht.
Für fremde Ohren klingt „Grüß Gott“ schon ein bisserl seltsam. Dabei ist dieser alte Gruß im Alpenland so selbstverständlich, dass wir uns hier nur selten fragen: Was genau bedeutet „Grüß Gott“ eigentlich?

 

Wenn in Bayern, in Österreich oder Baden-Württemberg einer „Grüß Gott!“ sagt, dann finden das die Leute aus dem Norden ja immer ein bisserl seltsam. Und wenn sie besonders witzig sein wollen, antworten sie so etwas wie: „Nee, grüß ihn doch selber!“

Es klingt ja auch wirklich wie eine Aufforderung: „Grüß Gott“. In Wahrheit ist es aber gerade umgekehrt gemeint: Nicht du sollst den Herrgott grüßen, sondern er dich. Denn „Grüß Gott“ ist bloß eine g’schlamperte Kurzform von „Es grüße dich Gott“. Bei manchen Leuten hört man das noch besser: Sie verwenden statt der ganz kurzen Form „Grüß Gott“ das etwas längere „Grüß dich Gott“ – da ist also nur das Wörtchen „Es“ rausgefallen.

Wie sagt man, wenn man nachmittags ein kleines Geschäft betritt, wo man die Leute kennt? Die gelben Punkte zeigen an, wo die Antwort „Grüß Gott“ lautet.
Auch „Servus“ kommt im Alpenland häufig vor (die pinkfarbenen Punkte), wobei „Servus“ nur ein Gruß für Leute ist, die man duzt. Wen man siezt, begrüßt man mit „Grüß Gott“.

Dass eine häufige Formulierung über die Jahrzehnte und Jahrhunderte abgeschliffen wird, ist ein ganz normaler Vorgang in jeder Sprache. Statt „Guten Morgen“ sagen viele Leute ja bloß noch „Morgen“, und „Entschuldigung“ wird verkürzt zu „’tschuldigung“.

Mancher Zuhörer empfindet das zwar als unschön – aber wenn genügend Leute so reden, wird es in ein paar Jahren als völlig korrekt gelten. Oder stören Sie sich noch daran, dass „Auto“ bloß eine Verkürzung von „Automobil“ ist? Und dass „ein bisschen“ heute gar nix mehr mit Reinbeißen zu tun hat? Eben, die Dinge ändern sich.

Wenn jemand niest, sagt man übrigens statt „G’sundheit!“ in manchen Gegenden des Alpenlands: „Helf da Gott!“, also „Es helfe dir Gott“ – und auch hier fällt das Wörtchen „dir“ oft heraus: Man verkürzt es zu „Helf Gott“, eben wie bei „Grüß Gott“.

Eine Kapelle befindet sich vor einer bewaldeten Bergkulisse in der Dämmerung
In Süddeutschland und Österreich ist „Grüß Gott“ der gebräuchlichste Gruß. In der Schweiz wird „Grüezi“ bevorzugt, ein verkürztes „Gott grüße euch“ – auch hier ist der Herrgott also bei jedem Gruß dabei.

 

Bloß, warum soll Gott mich denn grüßen? Es ist doch nicht seine Aufgabe, einfach mal Hallo zu sagen, oder? Für diese Merkwürdigkeit kann man öfters die Begründung lesen, das Wort „grüezen“ habe im Mittelalter noch eine ganz andere Bedeutung gehabt, nämlich: jemanden segnen. „Grüß Gott“ würde demnach also einfach heißen: Gott segne dich. Diese Erklärung klingt schön, aber dafür gibt es kaum Belege.

Wahrscheinlich hat „grüßen“ hier eine übertragene Bedeutung, ungefähr: sich jemandem freundlich zuwenden, jemandem geneigt sein. Es gab früher zum Beispiel die Redewendung: „Wenn dich die Gelegenheit grüßt, sollst du ihr danken.“ Diese Bedeutung ist über die Jahrhunderte unüblich geworden – außer eben in dieser einen Formulierung, die so typisch ist fürs Alpenland: Grüß Gott!

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