Biathloncamp Ruhpolding

„Mein erster Schuss war ein Treffer“

Biathlon-Camp Ruhpolding: Am Schießstand
Im Biathloncamp Ruhpolding kann jeder das Langlaufen und Schießen mal selber ausprobieren. Wir haben unseren Kollegen hingeschickt – lesen Sie hier, wie er sich angestellt hat …

 

„Langlaufen, Schießen, einmal Biathlon ausprobieren – das wird ein Winterspaß“, dachte ich auf der Fahrt ins „Biathloncamp Fritz Fischer“ in Ruhpolding. Dass ich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr beim Skifahren war und noch nie auf Langlaufski gestanden habe? Egal!

Ich komme mir vor, als lernte ich gerade laufen

Geht dann ja auch ganz gemütlich los: Zu acht sitzen wir in der urigen Plenk-Hütt’n, wo ein großer Küchenherd bullert und Johanna uns auf die nächsten zweieinhalb Stunden einstimmt. So lange dauert unser Training, dann sollte es mit dem Langlaufen und Schießen einigermaßen klappen.

Biathloncamp-Ruhpolding: Schießstand

In der Proberunde hat’s mich zweimal hingelegt, darum höre ich jetzt mit der Anfänger­gruppe zu.

 

Nachdem wir mit Schuhen, Ski und Stöcken ausgerüstet sind, betreten wir mit unseren Trainern Sandra und Hubert das Allerheiligste – die Chiemgau-Arena Ruhpolding. Bereits viermal fanden hier am Fuße des Zirmbergs die Weltmeisterschaften im Biathlon statt.

Jetzt drehen wir erst einmal eine Proberunde. Sandra und Hubert wollen sehen, was wir schon können. Viel habe ich – wie sich herausstellt – nicht zu bieten. Ich komme mir vor als lernte ich gerade laufen. Gleich zweimal gehe ich zu Boden, kämpfe mit den langen sperrigen Brettern.

WINTERWANDERUNG  Meterlange Eiszapfen, gefrorene Wasserfälle: Manche Klamm ist zur Winterzeit ein großartiges Naturschauspiel. Hier erfahren Sie, welche Klammen im Alpenland auch im Winter begehbar sind.

Zusammen mit drei Mädels lande ich in der Anfängergruppe. Immerhin üben wir jetzt erst einmal auf der Gerade. Wackelig, aber ohne Sturz fahre, schiebe, stelze ich eine Bahn hin und wieder zurück. „Für das Skating müsst ihr viel Druck auf die Kante bringen, sonst rutscht ihr weg“ ist Sandras Tipp, „und auf dem Standbein lange gleiten – je länger ihr gleitet, desto weniger Kraft braucht ihr!“ Das leuchtet ein, nur mit der Umsetzung hapert‘s.

Ich schwitze, fluche, torkle, falle hin und rapple mich wieder auf. Dabei sah ich mich doch in Gedanken elegant und kraftvoll die Steigungen hochskaten, rasant die Abfahrten hinuntersausen und treffsicher die Scheiben abschießen!

Bald spüre ich ganz unbekannte Muskeln in mir und bin total verschwitzt.

In der nächsten Stunde kämpfe ich tapfer weiter, versuche die Anweisungen der Trainer zu befolgen, vergesse die Hälfte, aber lerne trotzdem schnell dazu. Zum Abschluss des Lauftrainings gelingt es mir leidlich, in Führhand-, Armschwung- und Eintakter-Technik über die Loipe zu fahren und im Diagonalskating die Steigung zu bewältigen.

Selbst bei den Abfahrten setze ich mich nur noch ab und zu auf den Hosenboden. Als wir endlich Pause machen, spüre ich ganz unbekannte Muskeln und bin total verschwitzt und erschöpft.

 

Wetteranzeige im Biathloncamp Ruhpolding

Das Display begrüßt uns zum Training – und fast angenehme 3 Grad.

Nach dem anstrengenden Lauftraining auf der Loipe freue ich mich aufs Schießen mit dem Kleinkalibergewehr. Und hoffe, dass ich dabei eine bessere Figur mache. Als Jugendlicher konnte ich mit dem Luftgewehr meines Vaters ziemlich gut umgehen, und später auch mit einer eigenen Sportarmbrust.

Wir Biathlon-Neulinge schießen nur im Liegen. Anders würden wir wohl heute kaum eine der fünf schwarzen Scheiben in 50 Metern Entfernung treffen. Auch wenn’s bei Sandra, Hubert und Schießtrainer Fritzi gar nicht so schwer aussieht.

Fünf Kugeln und fünf schwarze Scheiben

Liegend auf den linken Arm gestützt lade ich durch. Ich drücke das Gewehr in die rechte Schulter und visiere das Ziel an. Wie klein das ist, im Gegensatz zur Großaufnahme im Fernsehen! Mein Ziel hat ungefähr den Durchmesser einer leeren Klopapierrolle.

Ich atme dreimal tief durch, fixiere den winzigen Punkt im Ringkorn meines Gewehrs und drücke ab. Peng – die Scheibe wird schwarz! Mein erster Schuss ist ein Treffer! Den nächsten verreiße ich, aber am Ende finden 3 von 5 meiner Schüsse das Ziel. Das baut auf, und nach einem weiteren Magazin liegt meine Trefferquote schon bei 4 von 5.

GEFÄLLT IHNEN EIGENTLICH die neongelbgrüne Mütze, die unser Kollege auf diesen Fotos trägt? Die haben wir nämlich selbst gehäkelt – mit einem kleinen roten Grüß Gott-„G“ drauf. Hier erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, wie’s geht.

Der Dämpfer lässt nicht lange auf sich warten, denn die Ski sind ja auch noch da. Die nächste Herausforderung heißt Schießen unter Belastung: Eine schnelle Runde Langlauf und zurück zum Schießstand, denn zum Biathlon gehört nun einmal beides. Nach der ersten Runde landet nur ein Treffer im Ziel. Aber von Runde zu Runde kann ich meine Trefferquote steigern. Zeit für das Finale.

Sandra und Hubert teilen uns in zwei Viererteams ein,  wir bekommen farbige Laiberl mit unseren Staffelnummern. Ich starte als dritter Läufer meines Teams. Hubert gibt das Kommando, und los geht’s.

Die ersten beiden Läufer sind beide erfahren und schnell unterwegs. Zeitgleich beenden die beiden ihre 200 Meter lange Runde, werfen sich auf die Matten am Schießstand und legen an. Peng, Peng, Peng! Die Schüsse peitschen durch das Stadion –aber treffsicher ist anders.

 

Diagonalskating im Biathloncamp Ruhpolding

Sogar im Finsteren erkennt man mich – an meiner neon-gelbgrünen Grüß Gott-Mütze, gehäkelt von meiner Kollegin Simone.

Für jede nicht getroffene Scheibe müssen 5 Kniebeugen gemacht werden, bevor der nächste Läufer starten darf. Als ich starten darf, überholt mich gleich ein schneller Läufer – aber egal. Ich achte auf meine Technik und schaffe es ohne Sturz zum Schießstand. Nach fünf Schüssen, drei Treffern und zehn Kniebeugen lande ich im Ziel.

Der letzte Läufer unseres Teams ist wieder schnell und bringt uns endlich in Führung. Auch die nächste Runde überstehe ich ohne Sturz und mit passablen drei Treffern im Schießstand: Minimalziel erreicht und die Führung nicht gefährdet, immerhin.

Mit letzter Kraft zum Staffel-Sieg

Am Ende gewinnt unser Team tatsächlich mit knappen Vorsprung. Juhuu! Aber alle Teilnehmer sind glücklich und stolz auf Ihre Leistung – und erschöpft.

Nach der Siegerehrung, zurück in der warmen „Plank Hütt’n“ und in trockener Kleidung, sind alle Stürze und Strapazen der letzten Stunden schnell vergessen. Mit zwei Teilnehmern hier aus der Gegend hocken wir uns noch auf ein Bier zusammen an den gemütlichen Holztisch in der Stube und ratschen über Langlauf, Schnee und den Winter in Ruhpolding. Da habe ich es gar nicht eilig, heimzukommen.

Text: Robert Woltmann • Fotos: Simone Calcagnotto

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Als Sportart war Biathlon anfangs nur ein Nischenspaß. Seit 1954 ist es eine olympische Disziplin, seit 1988 auch eine paralympische.

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