Slyrs

Einer von hier

Hans Kemenater, der Produktionsleiter von Slyrs
Dieser Whisky ist ein bisschen wie sein Brennmeister Hans Kemenater: ein waschechter Bayer, aber trotzdem in der Welt zu Hause.

 

Ein Wintertag im Dezember. Nichts los auf den Straßen, in der Nacht ist der erste Schnee der Saison gefallen. Fast könnte man versehentlich vorbeifahren, so selbstverständlich schmiegt sich der Holzbau der Slyrs-Destillerie in die Bergwelt des bayerischen Alpenvorlandes.

Dabei steht hier in Neuhaus, einem Ortsteil der Gemeinde Schliersee in Oberbayern, die größte Single-Malt-Destillerie Deutschlands. „Single Malt“ bedeutet: Die Whiskys hier bestehen alle rein aus gemälzter Gerste, aus einer einzigen Brennerei, sind also kein Verschnitt aus mehreren Whiskysorten.

Der Chef erwartet uns schon, hemdsärmelig und sympathisch

Und in der Empfangshalle wartet schon Hans Kemenater. Der Produktionsleiter des Hauses ist das Gesicht von Slyrs: Man sieht ihn und sein Team schon auf dem riesigen Plakat am Eingang der Destillerie. Fürs Foto tragen sie Hosenträger und Westen, die an die amerikanische Prohibitionszeit in den 1920er Jahren erinnern – heute allerdings ist Hans Kemenater in Jeans und Jackett unterwegs.

Gerste rieselt durch eine Hand in einen Bottich
Gerste – und sonst nichts. Slyrs ist ein „Single Malt“, also kein Verschnitt aus mehreren Whiskysorten

Schon nach den ersten Sätzen des Gesprächs mit dem hemdsärmeligen, symphatischen Geschäftsführer  drängt sich der Vergleich auf: Der 37-Jährige besitzt genau dieselben Eigenschaften wie sein Produkt. Einer von hier, ein waschechter Bayer, aber trotzdem in der Welt zu Hause.

Fünf Mönche aus Schottland und Irland gründeten das Kloster

Der Name Slyrs (ausgesprochen: „Schliers“) ist gälisch, denn die ganze Unternehmung hat iroschottische Wurzeln: Im Jahre 779 gründeten fünf aus Irland und Schottland stammende Mönche ein Kloster in der bayrischen Einöde von Schliersee. Das Kloster Slyrs gab 1240 Jahre später einem oberbayrischen Single Malt Whisky seinen Namen. Zwanzig Jahre hat die Destillerie Slyrs jetzt schon auf dem Buckel.

Luftaufnahme des Produktionsgeländes in Neuhaus, einem Ortsteil der Gemeinde Schliersee in Oberbayern
In der oberbayerischen Gemeinde Schliersee schmiegt sich Deutschlands größte Single-Malt-Destillerie in die Landschaft

Hans Kemenater, der gebürtige Warngauer, wollte eigentlich Koch werden. „Hochwertige Produkte waren schon immer mein Ding“, erzählt er. Seinen feinen Gaumen entwickelte er schon früh, als Jugendlicher half er in der Holzkirchner Brauerei Oberbräu aus. Aber sein erstes Praktikum machte er mit 16 Jahren bei Florian Stetter von der Lantenhammer Destillerie in Hausham – das sollte sein Leben verändern.

Drei Jahre braucht ein Whisky, bis er sich so nennen darf

Der Schottland-Fan Stetter brachte von einem Besuch in der Speyside-Region die Vision mit nach Hause, auch in Oberbayern einen Single Malt Whisky herzustellen. Und Kemenater war von Anfang an dabei. Drei Jahre mussten sie sich gedulden, denn so lange braucht ein Whisky, bis er sich Whisky nennen darf. Die ersten 1600 Flaschen Slyrs waren schnell verkauft.

Kemenater machte in dieser Zeit den Destillateurmeister und galt schon bald als einer der kreativsten, innovativsten Köpfe bei Slyrs. Mit nur 24 Jahren wird er 2007 Produktionsleiter. Er probiert viel aus. „Mir war es immer extrem wichtig, dass wir unser eigenes Ding machen“, sagt er auch heute noch. „Uns nicht an Schottland oder Irland oder sonstwem orientieren.“


 


Durch seinen eher milden Geschmack zieht der Slyrs auch Menschen an, die eigentlich keine Whiskytrinker sind. Ein Augenmerk der Destillateure liegt auf komplexeren „Finishings“, wie man sagt: Nach drei bis sechs Jahren in normalen Fässern aus amerikanischer Weißeiche wird ein Teil der Whiskys in andere, weitgereiste Fässer umgefüllt.

Aus der Karibik kommen ausgewählte Rum-Fässer, aus Portugal kleine Eichenholzfässer, in denen zuvor der berühmte Portwein gelagert hat, aus dem französischen Bordeaux edelste Sauternes-Fässer … Ist das auch schon mal komplett schief gegangen? „Wie in der Küche auch, darf man Fehler machen“, schmunzelt Kemenater. „Tatsächlich gab es Mal ein Experiment im Oloroso-Fass, was so gar nicht passte“, gesteht er. Besonders stolz ist er allerdings auf den „Aged 12 Years“, er nennt ihn „unser auch international überzeugendes Statement“.

Die fünf Destillateure Johannes Bacher, Philip Zollner, Hans Kemenater, Kilian Jonscher und Andreas Flossmann
Fünf Destillateure kümmern sich um den Slyrs. Von links: Johannes Bacher, Philip Zollner, Hans Kemenater, Kilian Jonscher und Andreas Flossmann

Sieben Köpfe zählt das Team inzwischen, alles ausgebildete Whiskey-Destillateure, zwei Braumeister. Immer wieder betont Kemenater, wie wichtig ihm das Familiäre im Hause Slyrs ist, wie eng alle zusammenhalten. „Wir alle bringen die Leidenschaft für gute Rohstoffe, für das perfekte Produkt mit“, sagt er. „Nur in einem Ensemble, bei dem sich alle verantwortlich fühlen, kann etwas Gutes gelingen.“

Ideen gibt es noch genug – aber alles zu seiner Zeit

Kemenater ist für das Fass-Management zuständig, macht Verkostungen – und er ist derjenige, der immer wieder neue „Rezepte“ ausprobiert. Vor fünf Jahren trieb er den Bau eines Höhenlagers am Gipfel des Stümpflings voran: Fünfzig Fässer eines Malt-Whisky-Jahrgangs werden mit dem Skilift dorthin auf 1501 Meter Höhe befördert, und dann reift die „Mountain Edition“ fünf Jahre lang in kleinen Fässern in reinster Bergluft und bei Temperaturschwankungen von bis zu 60 Grad. Das Ergebnis ist die – zuletzt schon wieder vergriffene – „Slyrs Mountain Edition“.

Und da gibt es noch mehr Ideen: „Wir würden gern einen Bio-Whisky aus biologisch zertifizierter Gerste herstellen,“ plaudert der Produktionsleiter aus. Außerdem soll es bald auch einen eigenen Roggen-Whisky geben. Kemenater hat noch viel vor. Aber wie schon in den vergangenen zwanzig Jahren handelt der Oberbayer weiter nach dem Motto: Alles zu seiner Zeit.