Plastikmüll

Eine Woche ohne Plastikmüll – das schaffe ich! … Oder?

Landschaft mit in einem Strauch verfangenem blauem Plastikstreifen
Vom Bergwanderweg bis zum tiefsten Punkt der Weltmeere: Überall findet man Plastikmüll. Tiere und Pflanzen gehen daran zugrunde – und jeder von uns produziert 38 Kilo davon, Jahr für Jahr. Geht das auch anders? Unsere Autorin hat’s im Alltag ausprobiert. Und kam ins Grübeln
Das Wort „Montag“, zusammengesetzt aus Kunststoffbuchstaben

Schon ein paar Minuten nach dem Aufwachen der erste Kontakt mit Plastik: meine Kontaktlinsen. Es sind Tageslinsen, aus hygienischen Gründen. Jeden Tag ein Paar, dazu eine daumengroße Verpackung aus Plastik. Monats- oder Jahreslinsen würden der Umwelt wohl helfen. Aber meine ständig roten Augen sprechen dagegen. Und die Tatsache, dass man Linsen für ein paar Hundert Euro nicht einfach so im Freibad verlieren darf.

Die S-Bahn fällt aus. Also schnell zurück, aufs Auto umsteigen. Vor lauter Eile meinen Kaffeebecher aus Bambus vergessen, dabei hatte ich mir doch extra so einen gekauft, länger schon. Also lasse ich mir heute meinen Kaffee am Viktualienmarkt in einen Recup-Becher füllen – den gibt es hier bei vielen Cafés und Bäckereien für 1 Euro Pfand. Dabei staune ich, wie viele Menschen auf diesem schönen Markt sich tatsächlich Saft und Kaffee in Einweg-Bechern gönnen, mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm.

Mein Frühstücksbrot kaufe ich bei der Öko-Bäckerei. Erst am Schreibtisch merke ich, dass es in der Papiertüte nochmals in luftlöchrige Folie eingeschlagen ist. Ansonsten verläuft der Tag am Schreibtisch ganz gut plastikfrei.

Doch als ich Zuhause in den Briefkasten schaue, springt mich das Plastik förmlich an: Zwei kleine Kataloge einer Fashionfirma, zusammengeschweißt von einer dicken Plastiktüte. Wenn ich denen nun eine Mail schreibe, dass ich ihren Katalog aus Umweltgründen nicht mehr möchte? Das ginge. Aber bewegt das auch etwas? Wer weiß …

Das Wort „Dienstag“, zusammengesetzt aus Kunststoffbuchstaben

Heute gehe ich für unseren Kindergarten einkaufen. Das Team der Elterninitiative hat mir eine lange Liste geschrieben, nun stehe ich im Drogeriemarkt und – gebe mich sofort geschlagen. Windeln, Feuchttücher, Handspülmittel, Seifenspender, Spülmaschinen-Tabs, Zahnbürsten und Zahnpasta. Ohne Plastik? Keine Chance. Fast. Auf einem Handspülmittel lese ich: „Aus recyceltem Plastik hergestellt“, das nehme ich. Statt einem Seifenspender aus Kunststoff kaufe ich Kinderseifen am Stück und weiß schon jetzt, dass die Erzieherinnen und Erzieher nicht begeistert sein werden von den glitschigen Klumpen.

Ein langer Nachmittag im Schwimmbad, danach dürfen die Kinder sich noch etwas Süßes aussuchen. Der Kiosk bietet „Haribo“-Röllchen in der Folie oder Eis am Stiel, natürlich eingepackt. Ich überrede die beiden zu einer Limo aus der Glasflasche – das Eis gibt’s dann halt morgen an der Eisdiele.

Am Abend wird unser neues Gästesofa geliefert und macht meine Bemühungen des ganzen Tages zunichte: Unter der Riesenpappe ist das gesamte Sofa in Plastik eingepackt. Halleluja! Die Speditionsfirma wird mir wahrscheinlich den Vogel zeigen,wenn ich das bemängele. Schließlich soll die Ware vor Transportschäden und Flecken geschützt sein. Erst als der Lieferwagen schon um die Ecke gebogen ist, komme ich darauf, dass ich den Spediteuren zumindest die Verpackung wieder hätte mitgeben können. Aber ob sie die Folie nochmal verwendet hätten? Eher nicht.

Das Wort „Mittwoch“, zusammengesetzt aus Kunststoffbuchstaben

Juhu! Die S-Bahn fährt. Daheim habe ich mir schon meine Brotzeit für den Tag eingepackt. Zwar ist die Tupperbox aus Plastik, aber je öfter sie genutzt wird, desto besser ist ja ihre Umweltbilanz. Ich besitze auch Boxen aus Glas, aber für den Alltag im Rucksack taugen die leider nicht so recht. Vielleicht wäre eine Edelstahlbox mal eine gute Anschaffung.

Mein Stück Wassermelone soll nicht austrocknen – und sogar dabei konnte ich Plastik umgehen: Ich habe sie mit einem Bienenwachstuch umwickelt. Die gibt’s in jedem guten Warenhaus, man kann sie aber auch gut selber machen, aus alten Stofffetzen und flüssigem Bienenwachs.

Wenn die Sonne scheint, kaufe ich mir zur Mittagspause gerne was auf die Hand und genieße es auf einer Bank. Aber plastikfrei ist das wirklich schwierig. Fisch, Reis, Gemüse oder sonst irgendetwas mit Soße: Das sind 50 Prozent Mittagessen und 50 Prozent Plastikverpackung. Immerhin geben manche Läden inzwischen Besteck aus Holz dazu oder wenigstens aus recycelbarem Kunststoff, aber das ist immer noch die Ausnahme.

Besonders mein geliebtes Sushi ist eine Müllorgie. Aber die nette Sushidame kennt mich jetzt schon, und wenn Sie mich sieht, fragt sie: „Sushi auf Teller zum Mitnehmen wie immer?“ Es geht doch!

Das Wort „Donnerstag“, zusammengesetzt aus Kunststoffbuchstaben

Challenge-Day! Heute steht der Großeinkauf für die Familie an, und der muss für das ganze Wochenende reichen. Der Supermarkt hier in der Nähe ist wie eine riesige Markthalle aufgebaut: Vieles stammt aus der Region, vieles auch aus Italien. Es gibt fast nur offenes Obst und Gemüse, teilweise schon vorgepackt in großen Holzkisten: Das ist wirklich schön. Meistens schaffe ich es also ohne Plastik aus dem Laden heraus.

Naja, fast: Der nasse Salatkopf bekommt immer noch eine Haube. Heute verzichte ich mal darauf – und die nasse Erde am Salat versaut mir mein T-Shirt. Wäsche-Ökobilanz versus Plastik-Ökobilanz. Nächstes Mal einen extra Beutel für den Salat mitbringen …

Später wollen wir noch grillen, aber um das abgepackte Fleisch mache ich eh einen großen Bogen. Erst an der Metzgertheke merke ich, dass ich meine großen Plastikboxen daheim vergessen habe. Mist! Immerhin: Die kleinen Boxen für eingelegte Oliven, Hummus und Zaziki, die habe ich dabei. Dann eben doch Brotzeit und keine große Grillerei. Den zähneknirschenden Metzger muss ich überreden, mir meinen Schinken nur in Papier einzuwickeln, ohne Plastikfolien dazwischen. Zu Hause merke ich, warum: Der Schinken tropft schon durchs Papier. Die Fleischboxen vergesse ich nie wieder daheim!

In der Stadt, zumal einer Singlestadt wie München, ist so ein Einkauf nicht einfach. Egal ob Supermarkt oder Ökoladen: Überall wimmelt es von Klein- und Kleinstportionen, alles hygienisch abgepackt. Natürlich gibt es Trendsetter wie die Plastikfrei-Läden – aber wer kann dort täglich einkaufen gehen? Da finde ich Marktstände, wie es sie mittlerweile in vielen Stadtvierteln wöchentlich gibt, etwas praktikabler: Hier kommt jeder mit einer Stofftasche und ein paar mitgebrachten Dosen und Boxen gut zurecht.

Das Wort „Freitag“, zusammengesetzt aus Kunststoffbuchstaben

Also, dieses plastikfreie Leben hat wirklich etwas Befreiendes! Und in meiner plastikbewussten Woche habe ich auch viel zum Thema gelesen. Da geht tatsächlich mehr, als man denkt: Stofftaschentücher benutzen etwa, oder Müllbeutel aus Maisstärke verwenden.

Und es gibt noch vieles, was ich mal ausprobieren möchte: Zahnbürsten mit Holzgriff etwa. Haarseife oder festes Shampoo im Block. Waschbare Küchenrolle ersetzt bis zu 60 Haushaltsrollen. Man kann auch selber Waschmittel aus Kastanien machen und Spülmittel aus Natron – ich glaube, meine Woche geht noch ganz lange weiter …

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